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Die
Jungfrau kommt in die Stadt (Ausgabe
01/09) |
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Die „Bajada
de la Virgen del Pino“ 2009
Auf La Palma gibt es viele Feste, kleine, große, solche heidnischen
Ursprungs, aber meistens natürlich solche, welchen ihren Grund
tief in unserem Glauben verwurzelt finden. Eine Besonderheit der
Katholischen Kirche ist dabei die Marienverehrung, die so ganz ohne
künstlichen Paritätsanspruch die Mutter des Jesus Christus
auf einen sehr hohen Thron stellt. Dabei verleiht man der, ganz lokal
in vielen unterschiedlichen Erscheinungsbildern auftretenden Maria
immer den Beinamen „Virgen“, was auf Deutsch zwar Jungfrau
bedeutet, aber sich weniger auf den rein medizinischen Zustand beruft
, sondern eher mit dem Ausdruck Reinheit oder Unschuldigkeit übersetzt
werden muss. Dabei haben wir so viele „Virgenes“ wie
Dörfer könnte man meinen und in der Tat ist die Vielzahl
der Marienabbilder für nicht Eingeweihte fast verwirrend. Auf
La Palma ist die wohl bekannteste Marienfigur die „Virgen de
Las Nieves“, die in der Wallfahrtskirche eben des Ortes Las
Nieves Zuhause ist und der man auch den Titel Schutzpatronin der
Insel La Palma verliehen hat, obwohl das eigentlich die Aufgabe des „San
Miguel Arcángel“ ist, der zumindest Namensgeber der
Insel San Miguel de La Palma ist.
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Auf
jeden Fall warten diese Schutzpatroninnen ja meist einsam in Wallfahrtskirchen „geparkt“ auf
Besucher und ihren großen Auftritt, der meist allerdings
nur alle paar Jahre stattfindet, es ist halt ein wirkliches Großereignis,
wenn die Jungfrau dann auch mal in die Stadt ausgeführt wird. „Bajada
de La Virgen“ ist da das Zauberwort, die „Niederkunft
der Jungfrau“ und Hauptbestandteil dieser wirklich ausgiebigen
Feste ist dabei die „Romería“, der festliche
Umzug der Marienstatue von ihrer Wallfahrtsstätte in die eigentlich
zu schützende Stadt. Alle fünf Jahre findet die „Bajada
de la Virgen de Las Nieses“ statt, die „Virgen del
Pino“ aus El Paso wird alle drei Jahre in den Stadt getragen.
Dabei muss man beachten, auch auf Gran Canaria gibt es eine „Virgen
del Pino“, das ist sogar die Schutzheilige der ganzen Insel
dort, allerdings erschien dort eine Mariengestalt in der Krone
einer Kiefer, bei uns auf La Palma fand diese Erscheinung im Stamm
der wohl ältesten Kanarischen Kiefer des gesamten Archipels
statt.
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Die
erste Erwähnung einer Marienerscheinung in dem Baum datiert
auf das Jahr 1493, also ein Jahr nachdem Alonso Fernández
de Lugo mit seinen Mannen in Tazacorte landete und just einer seiner
Soldaten soll eine Marienstatue im Geäst der damals schon
mächtigen Kiefer gefunden haben. Er schnitzte einen Hohlraum
in den Baum, um die kleine Staute wohl besser zu schützen,
den Hohlraum kann man heute noch sehen, die Statue aber nicht mehr.
Wann genau diese, allererste Statue, abhanden kam, das weiß man
nicht mehr, jedenfalls stand bis 1930 in der Baumhöhle, beleuchtet
von einer Laterne, die zweite Statue der „Virgen del Pino“,
bis man die heutige Wallfahrtskirche baute und eine neue, deutlich
größere Statue weihte, welche bis heute die „Virgen
del Pino“ verkörpert. Als es noch keinen Tunnel gab
und keine Autos, war die schnellste Verbindung zwischen Ost- und
Westseite der Insel der Reventón-Pass, so dass jeder Reisende
an der großen Kiefer vorbeikam, dort Rast machte und der
Marienstatue ein Gebet schenkte, einen Dankesspruch ausbrachte,
vielleicht für die geglückte Reise oder das gut Geschäft
was man mit der Ware von der anderen Inselseite gemacht hatte,
oder einfach auch nur einen geheimen Wunsch zuflüsterte.
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So
gelangte die „Virgen del Pino“ zu allergrößter Popularität
hier auf La Palma, weit über die Grenzen der Stadt El Paso
hinaus. Noch heute pilgern viele Menschen zu der Wallfahrtskirche,
aus den bereits vorher genannten Gründen, die anziehende Wirkung
der „Virgen del Pino“, welche Statue es denn nun auch
sei, hat kaum nachgelassen. Allerdings gab es seinerzeit noch keine
festen Termine an denen die Statue in die Stadt getragen wurde,
es kam eher sporadisch vor, dass man eine „Bajada“ veranstaltete,
die aber dann auch rein religiöser Natur war. Die erste „Romería“,
so wie wir sie heute noch kennen, fand 1955 statt und von
da an alle drei Jahre. Auch in diesem Jahr, 2009 ist es wieder
so weit, am 16. August findet der große Auftritt unserer
zarten und so verletzbar anmutenden Marienstatue statt, die ganze
Stadt, festlich in traditioneller Kleidung und mit unzähligen
von geschmückten Wagen zieht hinauf zur Wallfahrtskirche und
begleitet diese in einem rauschenden Umzug in den Ort. Manche sagen
sogar, unsere „Romería“ sei schöner als
die in Santa Cruz, wobei man das vielleicht eher so beschreiben
sollte, der Festumzug in El Paso ist ursprünglicher und mit
weniger Medieninteresse behaftet, auch einfach noch näher
an den Menschen und eben auch an der Jungfrau selbst.
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So hat im Gegensatz
in der Hauptstadt zum Beispiel der berühmte „Zwergentanz“ an
Bekanntheit, zumindest außerhalb der Insel, den Ruf der Jungfrau
bereits überflügelt, obwohl dieses Schauspiel ursprünglich überhaupt
nicht Bestandteil der Marienverehrung war, sondern erst später
als Programmpunkt der Feierlichkeiten mit aufgenommen wurde. Aber
da liegen sich Traditionalisten und Populisten schon immer in den
Haaren, während die einen den „wahren“ Charakter
der religiösen Feierlichkeiten durch zuviel „Kollateralgeschunkel“ gefährdet
sehen, vertreten die anderen die Ansicht, so viel Feierlichkeit
wie nur irgend möglich kann nicht verkehrt sein. Dennoch bleibt
bei allem Pomp und feierlichen Nebenschauplätzen den Menschen
des Ortes und der Insel immer die „Romería“ selbst
als unbestrittener Höhepunkt der „Bajada“ in Erinnerung.
In unserem pragmatisch katholisch geprägten Umfeld gibt es
keine Möglichkeit seine Religiosität unbefangener und
fröhlicher zur Schau zu stellen, wie auch die wirkliche Verehrung
und Devotion der Schutzpatronin unseres Ortes zu zelebrieren als
auf einem solchem Umzug. So sind es auf der Romería nicht
nur die frommen Witwen und strengen Honoratioren der Stadt, welche
in religiösem Tun ihre Verwirklichung suchen, sondern auch
aus jungen Kehlen stolzer Bürgern hört man die lauten
wie freudigen Rufe: ¡ Viva la Virgen ! und etwas leiser vielleicht, ¡Vivia
El Paso!
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Dabei ist die „Jungfrau
der Kiefer“ eigentlich gar nicht die Patronin der Kirchengemeinde
des Ortes, denn unsere Pfarrkirche ist dem Schutz der „Nuestra
Señora de la Concepción de Bonanza“ anvertraut,
aber das tut der Marienverehrung allgemein und eben der Devotion
an die „Virgen del Pino“ schon lange keinen Abbruch.
Der Festzug beginnt gegen Mittag, um 14:00Uh, die Statue wird aus
der Wallfahrtskriche getragen und erst gegen Abend ist die „Virgen“ dann
im Ort, das hängt von der Organisation, dem Pfarrer, dem Wetter
und vielleicht auch von der „Jungfrau“ selbst ab, wie
schnell die 6 Kilometer in den Ort zurückgelegt werden. Da
muss man auch keine Eile haben, wenn die ersten Schmuckwagen bereits
in den Ort einbiegen, fahren die letzten Karossen erst bei der
Wallfahrtskirche ab. Allerdings kann man jedem Interessenten nur
empfehlen, bereits mittags einen der vielen Shuttlebusse aus dem
Stadtzentrum El Pasos zu nehmen, sich hochfahren zu lassen und
dann lässt man sich mit der „Jungfrau“ und einer
unüberschaubaren Anzahl an ausgelassen fröhlich feiernden
Menschen mit in die Stadt treiben, wobei ein Glas Wein oder zwei
an dem Tag keinen Schaden anrichten können, wir sind ja in
bester Gesellschaft. Wie lange dann jeder durchhält und ob
es noch bis zum anschließenden Tanz unter freiem Himmel in
El Paso bis in die Morgenstunden reicht, das ist dann jedem selbst überlassen.
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