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Observatorium -Roque de los muchachos(Ausgabe 02/10)  
   
 

"Weisst Du, wie viel Sternlein stehen?"

Mit diesen Worten beginnt ein Kinderlied, das vielleicht noch dem einen oder anderen bekannt ist. Das All mit seinen glitzernden Punkten am nächtlichen Himmel hat schon immer die Menschen fasziniert und ihre Fantasie beflügelt.
Die Frage nach der Anzahl der Sterne wird sich wohl niemals richtig beantworten lassen.

Für einen Europäer sind es etwa 3000 Sterne, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind, aber schon ein ganz einfaches Fernglas offenbart, dass es viel, viel mehr sind.

Die Beobachtung der Sterne und Himmelskörper hat bereits unsere Urväter interessiert und aus ihrem Stand haben sie Termine für den Beginn der Feldarbeit und sogar den Zeitpunkt der Feste abgeleitet. Im Laufe der Zeit ist die Erforschung des Alls immer komplexer geworden und die dazu eingesetzte Technik immer komplizierter und längst nicht mehr nur Sache eines Landes.

Es ist einleuchtend, dass die äußeren Bedingungen für den Erfolg der Beobachtungen eine wesentliche Rolle spielen. Und wo finden wir nahezu ideale Bedingungen? Wo ist die Luft klar und noch nicht verschmutzt? Wo sind nur sehr selten Wolken?
Die Antwort haben die Wissenschaftler auf La Palma gefunden.

Am Roque de Los Muchachos, der mit 2426 Metern höchster Berg auf La Palma ist, hat man die Wolken unter sich gelassen und in den Nächten freie Sicht auf den Himmel. Man befindet sich dabei am nördlichen Rande der Caldera de Taburiente, wohin man auf Wanderrouten, aber auch über Straßen mit dem Auto gelangen kann.

Schon aus der Ferne erkennt man die weißen Bauwerke mit ihren kugelförmigen Kuppeln des Astrophysikalischen Observatoriums, welche die bisher insgesamt 15 Teleskope beherbergen.

Die Teleskope sind ihrer Größe und dem Zweck der jeweiligen Forschungsrichtung sehr verschieden. So gibt es beispielsweise Teleskope zur Sonnenbeobachtung oder zur Erfassung der Gammastrahlung. Ihr Spiegeldurchmesser reicht von einem Meter ( Jacobus Kapteyn Telescop) bis zu 4,2 Metern (William Herschel Telescop).

Ganz spezielle Telescope haben auch noch kleinere Spiegel, die aber keineswegs unwichtigere Ergebnisse liefern. Beispielhaft sei hier das Schwedische 1-Meter-Solartelescop erwähnt, das speziell der Beobachtung der Sonne, ihrer Magnetfelder und der Sonnenflecken dient.

Die größte Kuppel misst 33 Meter und gehört zum Gran Telescopio Canarias. Es wurde erst im Sommer 2007 eröffnet und im Juli 2009 in Dauerbetrieb genommen. Der Durchmesser des Hauptspiegels beträgt stolze 10,4 Meter und er ist damit auch der Größte auf der Insel.

Welche Bedeutung dem gesamten Projekt beigemessen wurde, lässt auch seine Entstehungsgeschichte erkennen.
Waren es im Jahre 1979 nur die Länder Dänemark, Großbritannien, Schweden und Spanien, die sich in Santa Cruz de La Palma trafen und mit einem Abkommen die astrophysikalische Arbeit am jetzigen Standort, dem Roque de Los Muchachos, regelten, kamen bis heute die Wissenschaftler aus etwa 20 Ländern und 60 Institutionen zusammen, um gemeinsam zu forschen. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit 1983 mit im Boot.
Zur feierlichen Eröffnung waren am 29. Juni 1985 das spanische Königspaar und die Staatsoberhäupter aus England, Dänemark und Schweden angereist.

Den imposanten Komplex des Astrophysikalischen Observatoriums kann man die meiste Zeit des Jahres leider nur aus der Ferne und von außen in Augenschein nehmen.
Mittlerweile ist die Besichtigung im Rahmen einer Führung in spanischer und englischer Sprache nach vorheriger Anmeldung den ganzen Sommer über möglich. Hinweise dazu finden sie im Anschluss an diesen Beitrag.

Vom Roque de Los Muchachos hat man aber nicht nur einen herrlichen Blick in das All, sondern auch auf die Nachbarinsel Teneriffa mit ihrem 3718 Meter hohen Teide. Dort befindet sich ebenfalls ein Observatorium, das zum Komplex des Astrophysikalischen Observatoriums gehört. Auch hier ist eine Besichtigung zu bestimmten Zeiten möglich.

Wussten sie übrigens, dass man von La Palma aus bis zu 15 Milliarden Lichtjahre weit in den Weltraum „sehen“ kann und dass es hier ein Gesetz gegen die „Lichtverschmutzung“ gibt, damit dieses auch so bleibt?