"Weisst
Du, wie viel Sternlein stehen?"
Mit diesen Worten beginnt ein Kinderlied,
das vielleicht noch dem einen oder anderen bekannt ist. Das All
mit seinen glitzernden
Punkten am nächtlichen Himmel hat schon immer die Menschen
fasziniert und ihre Fantasie beflügelt.
Die Frage nach der Anzahl der Sterne wird sich wohl niemals richtig
beantworten lassen.
Für einen Europäer sind es etwa 3000 Sterne, die mit
dem bloßen Auge sichtbar sind, aber schon ein ganz einfaches
Fernglas offenbart, dass es viel, viel mehr sind.
Die Beobachtung der Sterne und Himmelskörper hat bereits
unsere Urväter interessiert und aus ihrem Stand haben sie
Termine für den Beginn der Feldarbeit und sogar den Zeitpunkt
der Feste abgeleitet. Im Laufe der Zeit ist die Erforschung des
Alls immer komplexer geworden und die dazu eingesetzte Technik
immer komplizierter und längst nicht mehr nur Sache eines
Landes.
Es ist einleuchtend, dass die äußeren Bedingungen für
den Erfolg der Beobachtungen eine wesentliche Rolle spielen. Und
wo finden wir nahezu ideale Bedingungen? Wo ist die Luft klar und
noch nicht verschmutzt? Wo sind nur sehr selten Wolken?
Die Antwort haben die Wissenschaftler auf La Palma gefunden.
Am Roque de Los Muchachos, der mit 2426 Metern
höchster Berg
auf La Palma ist, hat man die Wolken unter sich gelassen und in
den Nächten freie Sicht auf den Himmel. Man befindet sich
dabei am nördlichen Rande der Caldera de Taburiente, wohin
man auf Wanderrouten, aber auch über Straßen mit dem
Auto gelangen kann.
Schon aus der Ferne erkennt man die weißen Bauwerke mit
ihren kugelförmigen Kuppeln des Astrophysikalischen Observatoriums,
welche die bisher insgesamt 15 Teleskope beherbergen.
Die Teleskope sind ihrer Größe und
dem Zweck der jeweiligen Forschungsrichtung sehr verschieden.
So gibt es beispielsweise
Teleskope zur Sonnenbeobachtung oder zur Erfassung der Gammastrahlung.
Ihr Spiegeldurchmesser reicht von einem Meter ( Jacobus Kapteyn
Telescop) bis zu 4,2 Metern (William Herschel Telescop).
Ganz spezielle Telescope haben auch noch kleinere
Spiegel, die aber keineswegs unwichtigere Ergebnisse liefern.
Beispielhaft sei
hier das Schwedische 1-Meter-Solartelescop erwähnt, das speziell
der Beobachtung der Sonne, ihrer Magnetfelder und der Sonnenflecken
dient.
Die größte Kuppel misst 33 Meter und gehört zum
Gran Telescopio Canarias. Es wurde erst im Sommer 2007 eröffnet
und im Juli 2009 in Dauerbetrieb genommen. Der Durchmesser des
Hauptspiegels beträgt stolze 10,4 Meter und er ist damit auch
der Größte auf der Insel.
Welche Bedeutung dem gesamten Projekt beigemessen
wurde, lässt
auch seine Entstehungsgeschichte erkennen.
Waren es im Jahre 1979 nur die Länder Dänemark, Großbritannien,
Schweden und Spanien, die sich in Santa Cruz de La Palma trafen
und mit einem Abkommen die astrophysikalische Arbeit am jetzigen
Standort, dem Roque de Los Muchachos, regelten, kamen bis heute
die Wissenschaftler aus etwa 20 Ländern und 60 Institutionen
zusammen, um gemeinsam zu forschen. Die Bundesrepublik Deutschland
ist seit 1983 mit im Boot.
Zur feierlichen Eröffnung waren am 29. Juni 1985 das spanische
Königspaar und die Staatsoberhäupter aus England, Dänemark
und Schweden angereist.
Den imposanten Komplex des Astrophysikalischen
Observatoriums kann man die meiste Zeit des Jahres leider nur
aus der Ferne und
von außen in Augenschein nehmen.
Mittlerweile ist die Besichtigung im Rahmen einer Führung
in spanischer und englischer Sprache nach vorheriger Anmeldung
den ganzen Sommer über möglich. Hinweise dazu finden
sie im Anschluss an diesen Beitrag.
Vom Roque de Los Muchachos hat man aber nicht
nur einen herrlichen Blick in das All, sondern auch auf die Nachbarinsel
Teneriffa mit
ihrem 3718 Meter hohen Teide. Dort befindet sich ebenfalls ein
Observatorium, das zum Komplex des Astrophysikalischen Observatoriums
gehört. Auch hier ist eine Besichtigung zu bestimmten Zeiten
möglich.
Wussten sie übrigens, dass man von La Palma aus bis zu 15
Milliarden Lichtjahre weit in den Weltraum „sehen“ kann
und dass es hier ein Gesetz gegen die „Lichtverschmutzung“ gibt,
damit dieses auch so bleibt?
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